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1656 - Als der Dom in Flammen stand

Bremer Bürgerin erzählt vom brennenden Dom
Constantin

Am 4. Februar 1656, so berichtet es eine Bremer Chronik, zog gegen 9.00 Uhr ein Schneesturm über Bremen hinweg, dem ein kurzer Blitz mit heftigem Donner-schlag folgte. Gegen 12.00 Uhr, nachdem sich die Bewölkung wieder aufgelockert hatte und sogar die Sonne hervorgekommen war, wurde auf dem Rathaus Feueralarm gegeben. Der Nordturm des Bremer Domes hatte sich entzündet und stand in Flammen.

Es war nicht der erste Brand im Dom.

Schon einmal, im März des Jahres 1638 war die Spitze des großen Domturmes nach einem Blitzeinschlag in Brand geraten, doch war das Feuer damals "Gott Lob" schnell gelöscht worden. Der kleine südliche Turm des Doms dagegen war im Januar des gleichen Jahres, da baufällig "bey stillem Wetter umgefallen". Acht große und kleine Glocken waren damals mit zwei umliegenden Häusern zerstört worden. Acht Menschen hatten bei dem Unglück den Tod gefunden, und nur ein sechsjähriger Junge hatte sich unter einem Tisch vor dem zusammenstürzenden Mauerwerk retten können.

Schnell hatte sich die Nachricht vom Brand am Morgen des 4. Februars in der Stadt herumgesprochen und viele Menschen waren schaulustig zum Domshof geeilt. Inzwischen floss das von der Hitze geschmolzene Blei von der Abdeckung der Domspitze gefährlich aufspritzend herunter auf die Menschen und entwickelte dabei eine solche Hitze,"...dass keiner ohne augenscheinliche Gefahr seines Leibes und Lebens, für die Spitze herunter gefallen, sich hinein oder hinan wagen durfte, und auch doch keine Hülfe oder Rettung hatte schaffen können, so haben viele Tausend Menschen in Angst und Schrecken, diesem Spektakel zu gesehen, in Erwartung wohin endlich der Turm seinen Fall nehmen würde".

Im Bremer Rathaus machte sich Hektik breit. Bei einem solchen Brand inmitten der Stadt bestand immer die Gefahr, dass die vielen mit Stroh gedeckten Häuser der Umgebung Feuer fangen konnten. Aus dem Zeughaus und den vier Bremer Kirchspielen wurden die Wasserspritzen herbeigeschafft, doch ohne Erfolg. Als man erkennen musste, dass das Wasser der Spritzen das Feuer hoch am Turm nicht würde erreichen können, wurden diese auf dem Marktplatz bereitgestellt, um beim Zusammensturz des Turms ein Übergreifen des Feuers auf die Umgebung verhindern zu können. Der Rat ließ die Stadttore schließen und die Soldaten wurden durch Trommelschlag zum Rathaus gerufen.

Die ganze Turmspitze brannte inzwischen lichterloh. Aus dem Dachgerüst lösten sich immer wieder brennende Balken und stürzten in die Tiefe. Schließlich brach die Turmspitze oder das, was davon noch übrig war, endgültig herunter, fiel auf das hohe Gewölbe des Doms und zerbrach. Die Reste stürzten vor dem Domportal zu Boden. Hilflos sahen Menschen dem Geschehen zu. Nun brannte auch das Dach des Kirchenschiffes. Auch wenn klettergewandte Bürger zum Kirchenschiff hochstiegen und Soldaten auf langen Leitern Wassereimer zum Löschen nach oben reichten, war die Gefahr eines Übergreifens des Brandes auch am Abend noch immer nicht gebannt. Der Wind hatte gedreht und aufgefrischt und die Glut immer wieder angefacht, so dass helle Funken durch den dunklen Abend stoben. Vier Bürgerkompanien wurden alarmiert, um das Feuer in der Nacht zu beobachten und die Löscharbeiten zu unterstützen.

Erst am folgenden Morgen konnte Entwarnung gegeben werden. Alles in einem waren die Bremer noch glimpflich davon gekommen. Der Brand hatte wie durch ein Wunder kein Menschenleben gekostet, und es war von Glück zu sagen, dass das nahe Rathaus kein Feuer gefangen hatte.


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