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1646 - Wie Bremen Freie Reichsstadt wurde

Bremer Böttcher mit dem Linzer Diplom
Zeuschner

Als sich die Schweden während des 30jährigen Krieges als damals stärkste Militärmacht Europas in den Besitz des Erzstiftes Bremen gebracht hatten und ihr Interesse auch auf das reiche Bremen richtete, suchten der Rat und die Stadt Schutz beim Kaiser.

Kaiser Ferdinand III. hatte die Stadt Bremen 1640 zum Reichstag nach Regensburg geladen, so als ob die Stadt bereits Reichsstadt mit Sitzrecht im reichsstädtischen Kollegium sei. Gerne

hätte Bremen damals die Einladung angenommen und sich in der Folge lange mit dem Erzbischof über die Rechtmäßigkeit derselben gestritten. Bremens Bemühungen um die Reichsstandschaft - so nennt man die Stellung einer Stadt als Freie Reichsstadt - treffen zum einen auf das Interesse des Kaisers, aber auch auf leere Kassen, um in Norddeutschland etwas gegen die Expansionspolitik der Schweden zu unternehmen.

Im Februar 1646 begannen in Linz wohin der Kaiser von Wien aus mit seiner Hofverwaltung gezogen war, die Verhandlungen um Bremens Reichsstandschaft. Ohne Geld, um die zukünftigen kaiserlichen Verhandlungspartner günstig zu stimmen, ging in Linz nichts. Fast 5.000 Bremer Mark wurden daher im April aus der städtischen Kasse als Schmiergeld nach Linz überwiesen. Die Bremer hatten Erfolg. Schließlich ging es nur noch um die Höhe des Preises, den die Bremer für ein Kaiserliches Diplom und die Reichsstandschaft zu zahlen haben würden. In Osnabrück, wo sich die Vertreter der europäischen Mächte zu Friedens-verhandlungen getroffen hatten, verhandelte der Bremer Gesandte Dr. Gerhard Coch mit seinem kaiserlichen Kollegen, dem Grafen Maximilian von und zu Trauttmannsdorff. Und wieder flossen Gelder von Bremen nach Osnabrück, dieses mal 5.000 Reichstaler, sorgfältig in Salz- und Fischtonnen gegen Diebstahl versteckt. Endlich musste der Bremer Rat in den sauren Apfel beißen und einer Zahlung von 100.000 Reichstalern zustimmen.


Am 1. Juni 1646 war es soweit: auf seinem Schloss in Linz unterschrieb Kaiser Ferdinand III. eigenhändig die ihm vorgelegte feierliche Pergamenturkunde und ließ sie anschließend mit dem großen kaiserlichen Siegel bekräftigen.


In Bremen freute man sich, aber leider zu früh. Die Urkunde über Bremens neue Stellung als Freie Reichsstadt kam zwar schnell nach Osnabrück, aber Graf von und zu Trauttmannsdorff weigerte sich, sie den Bremern auszuhändigen. In Bremen versuchte man inzwischen die erste Rate von 50.000 Reichstalern zusammenzubringen. Die Bürger bewilligten die Erhebung einer Sondersteuer. Erste Zahlungen gingen in Stockfischfässern versteckt nach Osnabrück. Wechsel kamen über

Bremer Böttcher
Constantin

Amsterdam. Mal mussten tausende von Gulden als Schmiergelder an einen, dann an einen anderen kaiserlichen Beamten gezahlt werden. Allein Graf von und zu Trauttmannsdorff kassierte für seine fragwürdigen Bemühungen 11.000 Reichstaler als "Geschenk". Am 25. August endlich erhielt der bremische Gesandte Gerhard Coch das "Linzer Diplom" aus den Händen Graf von und zu Trauttmannsdorff, am 31. August 1646 lag die Urkunde, die Bremen zur unmittelbaren Freien Reichsstadt erhoben hatte, endlich "Wohl überkommen" im Bremer Rathaus vor. Nun bezahlte man an der Weser auch die zweite Rate von 50.000 Reichstalern.

100.000 Reichstaler, das sind nach heutiger Kaufkraft ungefähr 10 bis 25 Millionen Euro. Mit den gezahlten Schmiergeldern wird es noch einiges mehr gewesen sein.




Weiterführende Informationen
Artikel über das Linzer Diplom bei Wikipedia
Artikel im Staatsarchiv Bremen zur Zurückgabe des Diploms
Artikel der Bremischen Schulbehörde über das Linzer Diplom

Buchtipp
Hartmut Müller "Das Linzer Diplom von 1646"


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