Am 25. Juli 1656 fand ein Treffen mit Dirich Tredenap als Gastgeber statt, bei dem die sieben Anwesenden (unter anderem Everdt Hofschlaeger namentlich genannt) eine Sammlung für die Armen durchführten und den Vorsatz nahmen, sich im nächsten Jahr am gleichen Tage wieder zu treffen. Bei diesem Treffen wurde Everdt Hofschlaeger für das nächste Jahr zum Schaffer gewählt.
1657 fand unter Vorsitz Everdt Hofschlaegers als Schaffer ein erneutes Treffen statt, bei dem ein jährlich wiederkehrendes Treffen am Gedenktag des heiligen Jacobus am 25 Juli vereinbart wurde. Zu diesem Zeitpunkt war weder die Namensgebung der Bruderschaft noch die bewusste Verknüpfung mit dem heiligen Jacobus als Namenspatron vorgesehen. Obwohl später Bildersäulen des heiligen Jacobus errichtet wurden und auch das Konterfei des Heiligen als Portrait im Wappenbuch auftaucht wurde eine religiöse Beziehung zum Hl. Jacobus nicht ausdrücklich erwähnt. Bemerkenswert ist auch, dass die Mitglieder ihre Vereinigung eher selten als Bruderschaft bezeichneten, sondern dem Ausdruck Societät den Vorrang gaben. Die anfänglich sieben Mitglieder beschlossen jährlich ein neues Mitglied zu wählen, bis die Anzahl der Mitglieder zwölf erreicht hätte. Danach sollten nur bei Austritt oder Tod eines Mitgliedes ein jeweils neues gewählt werden. Zudem wurde die Wahl eines Vorsitzenden (Schaffer; Buchhalter) festgelegt, der für die Rechnungsbücher, Protokolle, Einnahmen und Geldanlagen zuständig war. Am Ende jeden Jahres wurde ein neuer Vorsitzender gewählt, wobei dem Nachfolger Bücher und Kasse übergeben wurden.
Der anfängliche Termin für das Treffen am 25. Juli, dass der Schaffer auf eigene Kosten ausrichtete und bei dem im Gegensatz zu anderen Brüderschaften auch Gäste zugegen waren, wurde in späterer Zeit, wie auch bei anderen Brüderschaften üblich, auf Anfang Januar verschoben.
Im Jahre 1661 wurde der Kauf eines Hauses für zwölf Witwen getätigt. Jeder Bruder betreute eine "Witwenstelle" d.h. er kam für Unterkunft, Befeuerung und Verpflegung dieser auf und zahlte außerdem ein kleines Entgelt zur freien Verfügung. Diese "Witwenstelle" wurde von dem zuständigen Bruder mit einer Person seiner Wahl besetzt, meist mit Verwandten oder Angehörigen verstorbener Brüder. Neben der Sorge für das leibliche Wohl ist dokumentiert, das gegen 1712 auch einen Prediger verdingt wurde, der für den geistigen Beistand der Witwen sorgen sollte. 1804 wurde das inzwischen recht heruntergekommene Haus in dem die Witwen wohnten vermietet und die Witwen mussten anderswo Unterkunft beziehen und erhielten deshalb eine Erhöhung ihres Jahresgeldes.
Das Kapital der Bruderschaft wurde nicht nur aus dem jährlichen Einkommen durch Spenden erzielt, sondern auch durch den Nachlass verstorbener Mitglieder, denn es wurden Junggesellen und Kinderlose unter den Mitgliedern dazu angehalten im Testament die Bruderschaft und die von dieser unterstützten Armen zu bedenken. Bis zum heutigen Tage wird die Tradition der "Witwenstelle" in Form und Umfang fortgesetzt. Damals wie heute gilt der Grundsatz des Wirkens im Hintergrund: Aktuelle Mitglieder der Bruderschaft sind nur derselben bekannt.
Bruderschaften
Bruderschaften waren zur Zeit der Entstehung der St. Jacobi Maioris Brüderschaft eine bekannte Zeiterscheinung. Sie waren meist Gesellschaftsvereine mit einer religiösen Fassade, benannt nach ihrem Schutzpatron. Gewöhnlich war die Bruderschaft an eine ortsansässige Kirche angeschlossen, verbunden mit einer Stiftung eines Altars, einer Kapelle oder zumindest einer Statue. Sie besaßen zum Teil eine eigene Gruft oder Grabstätten. Zudem war auch die Stiftung eines Vikariats üblich, mit einer Reservierung des Patronatrechts (das Vikariat wurde deshalb gewöhnlich mit einem Familienmitglied besetzt).
Sie besaß Ablassprivilegien d.h. gegen entsprechendes Entgelt konnte ein Ablass gewährt werden. Es wurden zu den Feiertagen öffentliche Prozessionen mit "eigenen Gerätschaften, Monstranzen, Wachskerzen, Kostümen und Kleinodien" durchgeführt.
Aber auch weltliche Belange spielten eine Rolle in den Bruderschaften. Hierzu gehörten die Unterstützung von in Not geratenen Brüdern, die gegenseitige Krankenpflege und die Sorge für ein ehrenvolles Begräbnis. Man sammelte Almosen für arme Brüder oder eine gewisse Anzahl von Witwen, Greisen oder Weisen. Mittel zur Deckung der Kosten wurden nicht nur durch Spenden und grob festgesetzte Beiträge, sondern auch durch Geldstrafen für Vergehen gegen den Sittenkodex der jeweiligen Bruderschaft gedeckt, aber auch Buße in Form von Naturalien (z.B. Wachs für Kerzen, Wein etc.) waren üblich.
Die Versammlungen, bei denen auch die Beiträge bzw. Spenden gesammelt wurden, fanden gewöhnlich zu geselligen Zwecken aus Anlass der Feier des Jahrestages des Heiligen bzw. Schutzpatronen statt.
Klassische religiöse Jakobusbruder- und Gesellschaft
Im Mittelalter hatten diese Bruderschaften mit eindeutigem religiösem Hintergrund die Aufgabe sich um das seelische und leibliche Wohl der Pilger zu kümmern. Auch der Schutz der Wanderer gehörte zu ihren Aufgaben.
Im 20. Jahrhundert zum Teil neu gegründete Bruder- und Gesellschaften haben ihre Aufgaben in der Beratung von Pilgern und der Unterhaltung der Infrastruktur der Wege (Herbergen, Ausschilderung etc.). Einige von ihnen sehen wiederum ihre Aufgaben eher in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Pilgertraditionen und der europäischen Zusammenarbeit.
Der heilige Jakobus
St. Jacobus (Jacobus = der Nachgeborenen; Gott schützt) Majoris (Jacobus der Ältere) oder Jacobus, Sohn des Zebedaeus (Schreibweise z.T. unterschiedlich), der heute als der größte Heilige und Schutzpatron Spaniens bezeichnet wird, war wie sein Bruder Johannes ebenfalls Apostel. Geboren wurde am See Genezareth in Galiläa, dem heutigen Kinnerset in Israel. Er bereiste das Spanien, Frankreich und Italien, wo er Missionierungsarbeit leistete und diverse christliche Gemeinden gründete. Nach seiner Rückkehr nach Palästina, wo er das Evangelium verkündete, wurde er auf Befehl des Herodes Agrippa I. um Ostern 43 nach Chr. mit dem Schwert hingerichtet (häufig deshalb auch die Darstellung mit Schwert oder gekreuzten Schwertern als Hinweis auf seine Todesart, wie bei Heiligen- bzw. Märtyrerdarstellungen üblich). Hiermit erlangte er Berühmtheit als erster Märtyrer der christlichen Kirche. Der Sage nach wurde seine Leiche von zwei Anhängern entwendet und mit dem Schiff nach Spanien verbracht, wo sich die Spur zunächst verliert. Etwa 700 Jahre später werden seine Gebeine im westlichen Galizien wiederentdeckt. Dieser Ort wurde später "ad Sanctum Jacobum Apostulum" (Zum heiligen Jacob dem Apostel) oder kurz "San Giacomo Apostolo" genannt, woraus sich der Name Santiago (= Sant Jago = Sankt Jakob) de Compostela (Aus dem Spanischen: "Sternenfeld") entwickelte. Gegen 813 n. Chr. entsteht hier ein Wallfahrtszentrum. Am 25. Juli 816 wurden in der Jacobs-Kirche die Reliquien des Hl. Jacobus beigesetzt. Seit dem feiert die katholische und evangelische sowie anglikanische Kirche den 25. Juli als Gedenktag für den Hl. Jacobus. Als Wallfahrtsort ist Santiago de Compostela heute neben Rom der bedeutendste in ganz Europa.