Plausch mit einem Bremer Kaufmann (um 1910)

Das Kontor ist das Geschäftszimmer eines hansestädtischen Kaufmanns und das eigentliche Herz eines Unternehmens. "Comptoir" nannte man es noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Bremen. Der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet "Zähltisch", der Ort, wo das einkommende Geld gezählt wurde.

An den Schreibpulten im Kontor wurde die Geschäftskorrespondenz der Firma abgewickelt. In den Schränken standen die "dickleibigen" Geschäfts- und Kopierbücher, alle noch mit der Hand geschrieben, doch auch Telefone und Schreibmaschinen waren hier schon vereinzelnd aufzufinden.

Im Kontor empfing der Firmenchef Geschäftspartner und Vertreter, hier lagerten Musterproben und hier hing das Portrait des Vaters, von dem unser Kaufmann Kontor und Geschäft geerbt hat.

Unser Bremer Kaufmann ist im Im- und Exportgeschäft tätig. Aus den Vereinigten Staaten importiert er Tabak und vor allem Baumwolle. Das Geschäft mit der Baumwolle hat sein Vater aufgebaut. Er gehört zu den Gründern der Baumwollbörse, die sich in Bremen seit 1872 mit An- und Verkauf, Klassifikation und Preisgestaltung von Baumwolle befasst haben. In diesem Jahr sind rund zweieinhalb Millionen Ballen Baumwolle über die bremischen Häfen mit den Dampfern des "Norddeutschen Lloyd" hereinkommen. Bremen ist damit der größte Handelsplatz für Baumwolle in Europa. Von hier aus geht die Baumwolle in die Textilindustrie Polens, Russlands, Österreichs und der Schweiz. Natürlich wird auch der deutsche Markt versorgt, aber das eigentliche Geschäft liegt im Transithandel mit Mittel- und Osteuropa.

Die Fasstabake, die unser Kaufmann kauft, kommen aus dem Süden der Vereinigten Staaten, aus Kentucky und besonders aus Virginia. Hier bestehen alte, familiäre Beziehungen zu Unternehmern, die im 19. Jahrhundert von Bremen in die Vereinigten Staaten auswanderten.

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