1646 - Wie Bremen Freie Reichsstadt wurde

Als sich die Schweden während des 30jährigen Krieges in den Besitz des Erzstiftes Bremen gebracht hatten und ihr Interesse sich auch auf das reiche Bremen richtete, suchten der Rat und die Stadt Schutz beim Kaiser.

Bremens Bemühungen um die Reichsunmittelbarkeit oder Reichsstandschaft – so nennt man die Stellung einer Stadt als Freie Reichsstadt – treffen zum einen auf das Interesse des Kaisers, aber auch auf leere Kassen, um in Norddeutschland etwas gegen die Expansionspolitik der Schweden zu unternehmen.

Im Februar 1646 begannen in Linz die Verhandlungen um Bremens Reichsunmittelbarkeit. Ohne Geld, um die kaiserlichen Verhandlungspartner günstig zu stimmen, ging in Linz nichts. Aus der städtischen Kasse wurden fast 5 000 Bremer Mark als Schmiergeld nach Linz überwiesen.

In Osnabrück, wo sich die Vertreter der europäischen Mächte zu Friedensverhandlungen trafen, verhandelte der Bremer Gesandte Dr. Gerhard Coccejus , eigentlich Gerhard Coch oder Gerhard Koch, mit seinem kaiserlichen Kollegen, dem Grafen Maximilian von und zu Trauttmannsdorff. Wieder flossen Schmiergelder, sorgfältig in Salz- und Fischtonnen gegen Diebstahl versteckt. Endlich musste der Bremer Rat einer Zahlung von 100 000 Reichstalern für ein Kaiserliches Diplom und die Reichsunmittelbarkeit zustimmen.

Auf seinem Schloss in Linz unterschrieb Kaiser Ferdinand III. eigenhändig die ihm vorgelegte Pergamenturkunde und ließ sie anschließend mit dem großen kaiserlichen Siegel bekräftigen. Der aus bremischer Sicht entscheidende Abschnitt lautete: "Wir, Ferdinand der Dritte von Gottes Gnaden erwählter Römischer Kaiser ... bekennen ... daß die Stadt Bremen von uralten Zeiten her des Heiligen Römischen Reichs unmittelbare freie Reichsstadt gewesen und daher Uns und dem Heiligen Reich allein und ohne Mittlerstelle untertthan ist ... gegeben auf unserem Schloß zu Linz am 1. Juni im 1646sten Jahr nach Christi, Unseres lieben Herrn und Seligmachers, Geburt."

Die Urkunde über Bremens neue Stellung als Freie Reichsstadt kam zwar schnell nach Osnabrück, aber Graf von und zu Trauttmannsdorff weigerte sich, sie den Bremern auszuhändigen.

In Bremen versuchte man inzwischen die erste Rate von 50 000 Reichstalern zusammenzubringen. Die Bürger bewilligten die Erhebung einer Sondersteuer. Erste Zahlungen gingen in Stockfischfässern versteckt nach Osnabrück. Mal mussten tausende von Talern als Schmiergelder an einen, dann an einen anderen kaiserlichen Beamten gezahlt werden. Allein Graf von und zu Trauttmannsdorff kassierte 11 000 Reichstaler als "Geschenk" für seine fragwürdigen Bemühungen.

Endlich erhielt der bremische Gesandte Gerhard Coccejus das "Linzer Diplom" aus den Händen Graf von und zu Trauttmannsdorffs. Am 31. August 1646 lag die Urkunde, die Bremen zur unmittelbaren Freien Reichsstadt erhoben hatte, endlich "Wohl überkommen" im Bremer Rathaus vor. Nun bezahlte man an der Weser auch die zweite Rate von 50 000 Reichstalern.
100 000 Taler für Bremens Stellung als Freie Reichsstatt. Nach heutiger Kaufkraft sind das ungefähr 10 bis 25 Millionen Euro. Zusammen mit den gezahlten Schmiergeldern sogar noch um einiges mehr.

Gerhard Coccejus war ein Bruder des Theologen Johannes Coccejus. Die Coccejusstraße in Bremen-Schwachhausen wurde nach den Brüdern benannt.

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